
Wieder einmal muss ich mich über erziehungsunfähige Eltern auslassen, aber nach meinem heutigen Mittagserlebnis kein Wunder. Mit guter Laune betrat ich kurz nach zwölf Uhr eine italienische Gaststätte meines Vertrauens und ahnte schon beim Eintreten, dass es hier nach Ärger riecht. An einem Tisch saßen vier Damen mit sieben laut krakelenden Kindern, am anderen fünf Personen zwischen ca. 20 und 70 Jahren mit leicht genervten Blick. Am dritten Tisch saß ein einzelner sehr freundlicher Herr, den ich hier schon öfter gesehen habe und den ich immer wieder gerne als den Dorf-Versicherungsvertreter bezeichne. Warum weiß ich nicht, er macht eben diesen Eindruck auf mich.
So belegten mein Kollege und ich den vierten Tisch und da wir uns dem erlesenen Kreis der Stammkundschaft zugehörig fühlen dürfen, wurden uns direkt und ohne eine Bestellung aufzugeben unsere Getränke samt Vorspeise serviert. Aus mir unbekanntem Grund führte das zu regen Diskussionen und komischen Blicken am Damentisch, die wir ebenso wenig beachteten wie das laute Gekreische der sieben Kinder. Dieses wurde übrigens regelmäßig immer wieder durch noch lautere „Seid doch endlich mal leiser!“-Aufforderungen der Mütter unterbrochen, die wie zu erwarten komplett ignoriert wurden. Die genervten Blicke an den Nebentischen kann sich sicherlich jeder vorstellen.
Als gut gesitteter Gaststättenbesucher hatte ich natürlich mein Mobiltelefon auf lautlos gestellt, konnte es mir aber aufgrund der eh schon zerstörten Restaurantromantik nicht verkneifen mit meinem sehr guten Freund AH ein paar SMS auszutauschen. Da ich dabei das Mobiltelefon eher dezent benutze und nicht wie viele andere Personen damit großzügig herum winke, überraschte mich die „Mami, was macht der Mann da?“-Reaktion von zweien der Kinder zwischen Haupt- und Nachspeise dann doch. Kurzerhand wurde ich empört von der Rädelsführerin der vier Damen, die mir unter uns gesagt einen sehr untervögelten Eindruck machte, in einem sehr unfreundlichen Ton angefahren. Dies hörte sich dann ungefähr so an: „Könnten Sie es vielleicht unterlassen mit Ihrem iPhone hier in der Gaststätte herumzuproleten?“ Ja, ich war kurz sprachlos und schlagartig war es im gesamten Restaurant mucksmäuschenstill und alle Blicke waren auf mich gerichtet.
Selbstverständlich gingen mir hunderte von Beleidigungen durch den Kopf, die diesen Beitrag ohne Mühe in die FSK18-Region befördert hätten, aber man ist ja wohlerzogen und möchte Mami nicht enttäuschen. So erwiderte ich „Wie ich sehe, sind Sie schon mit der Erziehung Ihrer Kinder überfordert, deshalb wäre ich sehr dankbar, wenn Sie sich nicht in mein Nutzungsverhalten mobiler Endgeräte einmischen würden.“ und widmete mich wieder meiner SMS. Von den anderen Tischen hörte man nach meinem Einwand zustimmendes Gemurmel und lästerliches Gelächter. Damit war am Damentisch die Stimmung im Keller, denn es wurde nur noch sehr leise getuschelt. Lustigerweise bewirkte diese eher peinliche Szene, dass selbst die Kinder bis zu unserem Verlassen des Restaurants artig auf den Stühlen saßen und kaum mehr sprachen.
Es ist schon frech, was sich solche Dorfpomeranzen herausnehmen, während sie nicht bemerken, wie sie sich mit Ihrer dumm-arroganten pseudofeministischen Art extrem unbeliebt machen. Da wurde meiner Meinung nach eindeutig zu viel Britt am Mittag oder ähnliches geschaut, während man die Kinder mit irgendeiner Gamingkonsole oder einem Film auf DVD vor dem Zweitfernseher des Hauses ruhig gestellt hat.
Wie dem auch sei, ich habe mich trotz allem köstlich amüsiert und konnte es mir nicht verkneifen, dem Dorf-Versicherungsvertreter beim verabschieden noch lachend eine lästerliche Meinung zu offerieren. Diese war im Nachhinein zwar extrem böse und gemein, passte aber wie die Faust aufs Auge und wurde mir mit einem zustimmenden Lächeln quittiert, während sich der Damentisch lauthals empörte: „So isch dees, siabe Kind ond koi schees!“
Foto: Bernhard Richter





So oder so ähnliche Erlebnisse musste ich auch schon erleben!
Kürzlich erst beim Doc (meine Sprunggelenkgeschichte) hat mich ne Frau, die in einer ganz anderen Abteilung gewartet hat, angemotzt weil ich nachgefagt hab, wann ich drankomme.
Als ich auf ihre nonchalante Gesprächseröffnung für meine Verhältnisse wirklich ruhig und sortiert geantwortet hab, wurde nur noch mit “Ach lassen Sie mich in Ruhe!” und einem verständnislosen Kopfschütteln ihres Mannes/LAG geantwortet.
Selbst die älteren Damen im Wartebereich der Chirurgie konnten nicht verstehen was die gute Frau wollte…
Ich schreibe wie… Charlotte Roche
» Schriftstilanalyse dieses Artikels für „Ich schreibe wie…“